Calardis Blanc

Calardis Musqué (Bacchus ((Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau) x Seyval Blanc) x Seyve Villard 39-639


Sorten Hinweis
· Riesling - ähnlich


Klon Beschreibung Julius Kühn-Institut (JKI)
Die Sortenbezeichnung „Calardis“ leitet sich durch eine historische Bezeichnung des Zuchtortes Geilweilerhof ab.
Calardis Blanc (Gf.1993-22-6) vereint verschiedene Resistenzen gegenüber dem Echten und Falschen Mehltau sowie der Schwarzfäule mit hervorragenden anbautechnischen Eigenschaften. Durch ihren aufrechten Wuchs und die lockere Beerenstruktur ist sie eine sehr anwenderfreundliche Rebsorte. Auffallend ist außerdem, dass die Trauben von Calardis Blanc bisher auch in sehr trockenen und heißen Jahren kaum durch Sonnenbrand geschädigt wurden.

Da die Sorte moderat zur Bildung von Doppeltrieben und Geiztrieben neigt, kann ein Ausdünnen des Ertrags erforderlich sein. Eine Besonderheit der Sorte ist die an Muskateller erinnernde Färbung der unbeschatteten Beeren, während die Rückseite der Traube trotz Reife häufig gelbgrün bleibt.

Der Wein besitzt ein finessreiches Aroma von Maracuja, Blutorange und frisch geschnittenem Apfel gepaart mit einem zarten, feinwürzigen Bukett und zeichnet sich durch eine spritzige Säure aus, durch die er auch als Sektgrundwein gut geeignet ist.
Widerstandsfähigkeit Echter Mehltau - mittel
Falscher Mehltau - hoch
Botrytis - mittel-hoch
Schwarzfäule - mittel-hoch
Bekannte Resistenzloci Echter Mehltau - Ren3 | Ren9
Falscher Mehltau - Rpv3.1 | Rpv3.2
Schwarzfäule - RgB
Oenologisches Potential Der Wein besitzt ein finessreiches Aroma von Maracuja, Blutorange und frisch geschnittenem Apfel gepaart mit einem zarten, feinwürzigen Bukett und zeichnet sich durch eine spritzige Säure aus, durch die er auch als Sektgrundwein gut geeignet ist.
Weinbauliche Merkmale Wachseingenschaften: aufrecht, geringe Geiztriebbildung,
Traubeneigenschaften: leichte Neigung zur Doppeltriebbildung
Ertrag: mittelgroß, lockere Struktur, ähnlich Riesling, ca. 160 kg/ar
Calardis Blanc - Rebschule MüllerCalardis Blancer - Rebschule MüllerCalardis Blanc - Rebschule Müller


SäureMostgewicht
Calardis Blanc - Rebschule MüllerCalardis Blanc - Rebschule Müller
AustriebReife
Calardis Blanc - Rebschule MüllerCalardis Blanc - Rebschule Müller


Beschreibung Vitipendium
Standortansprüche mittlere bis späte Reife, daher sollten Rieslinglagen bevorzugt werden, Silvanerlagen reichen noch aus, wenn die Erträge reduziert werden. Grenzlagen und ein Anbau außerhalb der klassischen Anbaugebiete scheiden aus, da keine ausreichende Reife mehr erreicht wird. Aufgrund der hohen Pilzfestigkeit sowie eine geringe Attraktivität für Fraßschädlinge aufgrund der späteren Reife ist die Sorte besonders für nicht mechanisierbare Lagen geeignet. Ebenfalls für Weinberge in der Nähe von Gärten oder Wohnbebauung, wo aufgrund von Abstandsauflagen und Lärmbelästigung ein Pflanzenschutz eingeschränkt ist.
Sorteneigenschaften Die Traube reift mittelspät, vor dem Riesling. Der Lesezeitpunkt kann aber wegen der Botrytisfestigkeit meist nach dem Riesling erfolgen. Ein verzögerter Reifeverlauf verhindert, dass die Mostgewichte zu rasch ansteigen. Lesereife ist in der Regel Ende September bis Mitte Oktober.
Der potentielle Ertrag ist oft höher als bei Riesling, da kaum eine Neigung zur Verrieslung besteht und die Traubenzahl je Trieb hoch ist. Bei hoher Ertragsbelastung leiden Traubenqualität und Vitalität.
Der Austriebszeitpunkt ist im Vergleich zum Riesling etwas verzögert, dies kommt der Vermeidung von Spätfrostschäden zugute.
Der Wuchs ist halbaufrecht und kräftig mit mäßiger Geiztriebbildung. Die Sorte zeigt allgemein eine gute Vitalität, was sich durch dunkelgrünes, dichtes Laub bemerkbar macht und auf eine hohe Photosytheserate schließen lässt. Bei Vollreife werden die voll besonnten Beeren goldgelb und zeigen bräunliche Reflexe.
Pilzwiderstandfähigkeit und allgemeine Anfälligkeit Calardis Blanc gilt als erste erfolgreiche Neuzüchtung, die mehrere Resistenzgene in Kombination in sich vereinigt und damit eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen den Falschen Mehltau aufweist (Multiresistenz). Dadurch erhofft man sich, dass auch angepasste Pilzstämme die Hürde nicht durchbrechen können, wenn etwa durch Mutationen einer der Resistenzfaktoren überwunden wurde. Auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Oidium und Botrytis gilt als hoch. Sie bietet sich daher besonders für einen Anbau mit reduziertem Pflanzenschutz an (bis zu 80% Einsparung möglich). Komplett auf Spritzungen zu verzichten, wird aber auch bei dieser Sorte nicht empfohlen. Im Vergleich mit anderen pilzfesten Sorten war 2016 auch in einer Nullspritzung kein nennenswerter Ertragsausfall zu verzeichnen. Durch die späte Reife sind Fraßschäden durch Wespen und Vögel kaum gegeben. Auch gegen Schwarzfäule soll sich die Sorte als robust erweisen Ein minimaler Befall durch Blattreblaus konnte in einer Versuchsanlage 2018 beobachtet werden. Im Folgejahr war bei geringem Druck allerdings kein Befall mehr feststellbar. Zur Empfindlichkeit auf Rebvirosen lässt sich mangels Erfahrung bislang keine Aussage treffen.
Anbauempfehlung Zumindest in den ersten Jahren ist zur Entlastung eine Ertragsreduktion erforderlich. Dies kommt sehr der Weinqualität zugute. Überlastung kann zudem zu Stiellähme führen. Allein über den Anschnitt ist die Ertragseinstellung schwer möglich, die Trauben hängen sehr dicht. Sehr flachgründige Böden sind ungeeignet. Bei anhaltender Trockenheit ist eine Bewässerung sehr von Vorteil. Weinbaulich werden an die Sorte keine besonderen Erfordernisse gestellt. Eine Teilentblätterung der Traubenzone kann zur Botrytisvermeidung beitragen, die Heftarbeiten sind vergleichbar mit Riesling. Sonnenbrandschäden sind im Vergleich zu Riesling geringer. Die lange Hängzeit bei stabiler Fäulnisfestigkeit und geringem Mostgewichtsanstieg lassen ein breites Erntefenster zu. Selbst für Eiswein scheint die Sorte geeignet, es muss aber wie sonst auch ein ein Fraßschutz erfolgen.

Vorteile der Sorte:
Allgemein hohe Widerstandsfähigkeit der Sorte, insbesondere gegen Botrytis und Peronospora, etwas schwächer gegen Oidium. Mittleres bis hohes Ertragsniveau bei guter und gleichmäßiger Ausreife der Trauben macht den Anbau wirtschaftlich, besonders in Jahren mit schlechter Blüte. Calardis Blanc passt durch das rieslingähnliche Profil gut ins deutsche Sorten-Portfolio. Als eigenständige Sorte bislang noch wenig etabliert. Besonders für schwierig zu bewirtschaftende Lagen geeignet. Ein relativ später Austrieb schützt zudem vor Spätfrostschäden. Der Name soll einen internationalen Slang ausdrücken.
Nachteile der Sorte:
Durch die eher späte Reife ist sie für einen Anbau auf klimatisch weniger begünstigten Standorten derzeit weniger geeignet. Eine Ausdünnung ist vielfach erforderlich, um ausdruckstarke Weine zu erzeugen. Eine gewisse Neigung zum Blattreblausbefall ist gegeben, daher müssen umliegende Herde (Unterlagenausschläge, Drieschen) konsequent entfernt werden. Bei Befall sind die Blätter und Triebe mit Gallen zu entfernen und zu verbrennen.
Ertrag und Wein Ertrag:
Durch die hohe Fruchtbarkeit ist der Ertrag hoch und sollte nicht voll ausgereizt werden. Zudem ist die Sorte ertragskonstant, neigt also wenig zu Alternanz.
Wein:
Die Weine zeigen eine Analogie zum fruchtigen Rieslingprofil. Sie zeichnen sich durch feinwürzige fruchtige Aromatik aus, ohne dabei einerseits flach oder andererseits säuerlich zu erscheinen. Dies liegt am moderaten Alkoholgehalt und der reifen Säure. Gleichzeitig eignet sie sich als neutraler Verschnittpartner. Das Alterungsvermögen der Weine ist vergleichbar mit Rieslingweinen. Jedoch liegen keine Langzeiterfahrungen vor. Vorsicht bei unterversorten Weinbergen mit UTA ist geboten. Ausbauversuche mit Sekt und Perlwein liefert überzeugende Ergebnisse. Ertrags- und Reifedaten vom DLR Rheinpfalz: Daten folgen


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